Der Nachfolger von AV1 ist endlich da! Nach mehr als fünf Jahren Entwicklungszeit entstand mit der Alliance for Open Media (AOMedia) ein milliardenschweres Konsortium mit Mitgliedern wie GoogleApfelNetflix und Amazon haben die 1.0.0-Spezifikation ihres neuen Babys fertiggestellt: den AV2. Die Ankündigung erfolgte nahezu diskret über ein einfaches Tag in einem GitHub-Repositoryfernab von Keynotes mit großem Tamtam. Das Ziel dieses neuen Formats ist einfach: die Komprimierung von Videos so zu optimieren, dass sie weniger wiegen, ohne Einbußen bei der visuellen Qualität. Ein strategisches Thema für das gesamte Web-Ökosystem.
Warum ist dieser neue Codec so wichtig?
Überall wird ein Effizienzgewinn von 30 % versprochen im Vergleich zu AV1. Konkrete Übersetzung? Für eine Plattform wie YouTube oder Netflix, deren Bandbreitenkosten enorm sind, ist das ein gewaltiger finanzieller Sauerstoffschub. Weniger Daten, die für Millionen von Benutzern durch die Rohre geschoben werden müssen. Für Sie als Endbenutzer ergibt sich daraus ein doppelter Vorteil: eine hervorragende Bildqualität bei gleicher Geschwindigkeit, d. h. geringerem Datenverbrauch in Ihrem Mobilfunktarif. Kein unerwünschtes Puffern mehr bei einer etwas schwachen 4G-Verbindung.
Diese magische Zahl von 30 % ergibt sich aus internen Tests der Allianz, die auf wahrgenommenen Qualitätsmetriken wie VMAF, einem von Netflix entwickelten Indikator, basieren. Technisch gesehen wird diese Leistung durch eine Reihe akkumulierter Optimierungen erreicht: größere Superblöcke, feinere Bewegungsvorhersage und intelligentere Codierung. Das ist die ganze Rolle eines Videocodecsdieses digitale Kochrezept, das Bilder faltet und entfaltet, damit sie durch das Netzwerk reisen.
Welche Hindernisse stehen einer sofortigen Einführung im Wege?
Der AV2 ist ein technologischer Durchbruch. Es funktioniert nicht auf vorhandener AV1-kompatibler Hardware. Es erfordert neue Decoderspeziell für ihn entwickelte Chips. Und die jüngste Geschichte erfordert Geduld. Obwohl Apple Gründungsmitglied von AOMedia war, dauerte es fünf Jahre, bis Apple die AV1-Hardware-Dekodierung in seine Chips integrierte. Wenn AV2 den gleichen Weg einschlägt, wird es auf einem iPhone erst in den frühen 2030er Jahren reibungslos und akkuschonend laufen.

Das andere Hindernis, und nicht das geringste, ist seine Komplexität. Laut Experten von VideoLAN, dem französischen Team hinter dem berühmten VLC-Player, wäre die Decodierung von AV2 etwa fünfmal aufwändiger für einen Prozessor als den AV1. Das reine Auslesen von Software ist daher auf aktuellen Maschinen nahezu unmöglich, ohne dass der Akku schmilzt und der Prozessor überhitzt. Verstärkung der Videokomprimierung gibt es nicht umsonst, es wird mit Rechenleistung bezahlt. Die Akzeptanz wird daher vollständig vom Willen von Chipherstellern wie Qualcomm, Apple oder MediaTek abhängen.
Ist AV2 wirklich kostenlos und konkurrenzlos?
Die große Stärke von AV2 ist, wie schon beim Vorgänger, das lizenzfreie Modell. Die Mitglieder von AOMedia verpflichten sich, keine Lizenzgebühren einzufordern, was sie in direkten Gegensatz zu ihren proprietären Konkurrenten wie VVC (H.266) stellt, deren Lizenzen teuer sind. Doch diese zur Schau gestellte Unentgeltlichkeit ist umstritten. Das Unternehmen Sisvel hat bereits einen Patentpool für den AV1 eingerichtet und bereitet diesen für den AV2 vor, mit dem Argument, dass die Allianz keine Patentrechte Dritter löschen könne. Die Bezeichnung „kostenlos“ ist daher mit Vorsicht zu genießen, ein juristisches Minenfeld dass sich Hardwarehersteller zurechtfinden müssen.

Diese Situation ist Teil eines echten Codec-Krieges um die Vorherrschaft im Streaming global. Mit seiner Leistung macht sich AV2 auf die Jagd nach VVC, dem bisher effizientesten proprietären Codec. Letzteres hat jedoch bereits einen Vorsprung bei der Hardware-Integration bei einigen großen Playern. Die Wahl der Content-Giganten Netflix und YouTube an der Spitze wird den Ausschlag geben. Der AV2 ist ein brillantes Versprechen, aber der Weg, bis er auf unseren Bildschirmen landet, ist noch lang und voller technischer und rechtlicher Fallstricke.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann kann ich AV2 auf meinem Smartphone nutzen?
Wahrscheinlich nicht vor dem Ende des Jahrzehnts oder sogar Anfang der 2030er Jahre. Seine reibungslose und energieeffiziente Nutzung hängt von der Integration von Chips (Prozessoren) mit dedizierter Hardware-Dekodierung ab, deren Entwicklung und maßstabsgetreue Bereitstellung mehrere Jahre dauert.
Wer steckt hinter der Entwicklung von AV2?
AV2 wurde von der Alliance for Open Media (AOMedia) entwickelt, einem leistungsstarken Industriekonsortium, das fast alle Technologiegiganten vereint, darunter Google, Apple, Amazon, Netflix, Microsoft, Intel, Nvidia und Samsung.
Ist AV2 besser als sein Rivale VVC (H.266)?
Bezüglich der Komprimierungsleistung kommt AV2 der Effizienz von VVC sehr nahe. Sein Hauptvorteil ist sein „lizenzgebührenfreies“ Wirtschaftsmodell, das es für Entwickler und Hersteller attraktiver macht, auch wenn dieser Punkt auf rechtlicher Ebene umstritten ist.