Der historische Konflikt zwischen Free und seine Konkurrenten erhält eine neue Dimension. Der Betreiber von Xavier Niel hat beschlossen, hart zuzuschlagen und von Orange bis zu 2,43 Milliarden Euro zu verlangen und Bouygues Telecom. Im Mittelpunkt dieser rechtlichen Offensive steht eine auf dem französischen Markt gut verankerte Geschäftspraxis: Tarife mit subventioniertem Mobilfunk und 24-Monats-Verpflichtung. „Kostenlos“ ist nichts weniger als unlauterer Wettbewerb.

Warum hält Free subventionierte Angebote für eine betrügerische Praxis?

Frees Vorwurf ist einfach und klar. Der Betreiber glaubt, dass das Smartphone-System Subventioniert verschleiert die tatsächlichen Kosten des Gerätes für den Verbraucher. Offenbar profitiert der Kunde von einem neuen Handy zu einem sehr attraktiven Preis, der teilweise nur wenige Euro kostet.

Allerdings wird dieses „Geschenk“ durch einen teureren Mobilfunktarif finanziertbegleitet von einem zweijährigen Engagement. Laut Free handelt es sich dabei um einen verschleierten Verbraucherkreditderen Bedingungen nicht klar angegeben sind. Oftmals zahlt der Nutzer viel mehr für sein Telefon, als es tatsächlich wert ist, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein.

Welche rechtlichen Präzedenzfälle geben Free Hoffnung?

Diese Offensive ist kein Glücksspiel. Free beruft sich auf eine Geschichte von Rechtsstreitigkeiten die sich zu seinen Gunsten auswirken. Bereits 2012 griff der Betreiber SFR aus ähnlichen Gründen anwodurch eine Lücke in der Verteidigung seiner Rivalen entstand.

Das Pariser Berufungsgericht entschied 2019 zu seinen Gunsten und erkannte an, dass das SFR-System Verbraucher effektiv irreführen könnte.. Zuletzt, im Jahr 2023, Bouygues Telecom wurde in erster Instanz zur Zahlung eines erheblichen Betrags verurteilt, obwohl gegen den Fall noch Berufung eingelegt wird. Diese Entscheidungen schaffen Rechtsprechung was die Verteidigung seiner Konkurrenten schwächt.

Gerechtigkeit

Worum geht es in diesem Kampf abgesehen vom Geld wirklich?

Der finanzielle Bedarf ist zwar astronomisch, verbirgt jedoch ein viel tieferes Problem: frontale Opposition zwischen zwei Philosophien des Mobilfunkmarktes. Einerseits das historische Vorbild traditioneller Betreiber wie Orangebasierend auf Loyalität durch Terminalengagement und Subventionen.

Auf der anderen Seite die Vision von Free, die sich für Transparenz und Freiheit einsetzt. Durch die klare Trennung der Kosten des Pakets von denen des Telefons, wie mit seinem Free Flex-Angebot, möchte der Betreiber einen neuen Standard durchsetzen wobei es dem Kunden jederzeit freisteht, den Betreiber zu wechseln. Auch dieses Vorgehen ist eine klare Botschaft an die Aufsichtsbehörden, insbesondere an die Wettbewerbsbehörde, übermittelt werden.